Corona-Pandemie: auch Du kannst helfen (Teil 2)

Nachdem ich nun bereits mehr als eine Woche einen Teil meiner Computer-Ressource für das Projekt folding@home zur Analyse von verschiedenen Krankheiten zur Verfügung stelle, möchte eine kurze Zwischenbilanz ziehen, euch neue Erkenntnisse zu dieser Plattform zukommen lassen und ein Update auf meinen letzten Beitrag zu diesem Thema liefern.

Zwischenbilanz

Eine Woche lasse ich meinen Computer nun bereits Zuhause Proteine falten (daher kommt auch der Name folding@home). Weil ich erst relativ kurz dabei bin, ist mein Beitrag noch sehr klein, verglichen mit anderen Teilnehmern. Trotzdem bin ich stolz darauf bereits mehr als 50 Arbeitspakete (Workunits, WU) mit einem total score von über 350.000 durch pure Rechenleistung dem Projekt beigetragen zu haben:

Wer seine Ergebnisse schwarz auf weiß (bzw. in Farbe) dokumentiert haben mag, kann sich dafür ein Zertifikat zum Download erstellen lassen. Das Zertifikat könnt ihr über den Webclient herunterladen. Klickt dazu auf die Donor-Seite und dort auf eure total WUs (Workunits = Arbeitspakete) oder Total score (Gesamtergebnis):

Daraufhin wird euch eine PNG-Datei (Bild) mit dem Zertifikat zum Download mit einer persönlichen Unterschrift des Institutsleiters, Gregory R. Bowman, angeboten:

FoldingAtHome-wus-certificate-76140389

Dieses lässt sich dann in fast beliebiger Größe ausdrucken und wer mag, kann es sich Rahmen lassen und an die Wand hängen. Leider ist das Zertifikat derzeit nur für die Anzahl der Arbeitspakete (WU) verfügbar. Ursprünglich, wenn man dem Link glauben schenken darf, wenn man über total score-Wert klickt, sollte es für den score ein eigenes Zertifikat geben  – ich vermute einen Bug in der Software oder bisher einfach noch nicht implementiert. Als Erweiterung wäre es schön, wenn das Zertifikat außer den workunits auch den Totalscore gleich mit darstellen würde – dann hätte man ein Zertifikat für alles und bräuchte nicht zwei.

Web Apps

Wer etwas tiefer hinter die Kulissen des Projektes blicken möchte, dem bieten die Web Apps (https://apps.foldingathome.org) und die Stats-Seite (https://stats.foldingathome.org) weitere Informationen:

image image

Einige davon möchte ich euch im Folgenden vorstellen.

Team Editor

Vielleicht ist euch schon aufgefallen, dass bei einigen Teilnehmern an dem Projekt Teamnamen angegeben sind. Jeder der für das Projekt Rechenkapazität zur Verfügung stellt, wird standardmäßig dem Projekt-Team: Default (no team specified) = Standard, mit der Team-ID 0, zugewiesen:

image

Teams bieten die Möglichkeit gemeinsam in einer Gruppe sich an dem Projekt zu beteiligen.

Wer selbst ein Team erstellen möchte, der kann dies auf dieser Seite https://apps.foldingathome.org/team tun:

Bild17

Die Erstellung eine neuen Teams ist sehr einfach, da ihr nur die wenigen Angaben auf dieser Webseite ausfüllen müsst. Über diese Seite lassen sich auch bestehende Teams ändern (wenn ihr das Passwort dazu habt).

Meine Team-ID ist die 257795 – wer sich also meinem Team anschließen mag, muss einfach nun diese Nummer im Webclient unter Team eingeben und ab diesem Zeitpunkt können wir gemeinsam die Welt retten.

Server Statistik

Ich habe auf der Stats-Seite ein wenig gestöbert und bin bspw. auf die Seite mit der Server Statistik gestoßen, die einen Überblick über die Server liefert, die an dem Projekt beteiligt sind:

image

Wie aus den aktuellen Veröffentlichung zu entnehmen ist, reicht in der derzeitigen Krise und durch die vielen Computer, die an dem Projekt teilnehmen, die Anzahl der Server nicht mehr, um die Arbeit an alle beteiligten Computer zu verteilen. Deshalb kann es auch vorkommen, dass euer Client zwar aktiv ist, aber sich langweilt.

Leider habe ich bisher noch keine Informationen dazu gefunden, wie man eigene Systeme als zentralen Server für das Projekt zur Verfügung stellen kann. Das würde wahrscheinlich dieses Problem lösen.

Projekte

Einige von euch werden sich sicherlich schon gefragt haben, welchem Projekt sie ihre Rechenkapazität zur Verfügung stellen. Eine erste Antwort darauf findet ihr im Web-Control

image

Abhängig davon, ob gerade eure CPU oder GPU aktiv ist (ggf. auch beide), müsst ihr auch den entsprechenden Bereich klicken (mit dem roten Pfeil nach unten gekennzeichnet) und seht dann rechts unten die jeweiligen Projektinformationen. Mit klick auf den Link in diesem Bereich (siehe Pfeil nach links), könnt ihr weitere Informationen zu diesem Projekt abfragen:

image

Das ergibt nun gleich die nächste Frage: Welche Projekte gibt es eigentlich aktuell. Darauf bietet die Seite https://apps.foldingathome.org/psummary antworten:

image

Zu jedem einzelnen Projekt lassen sich weitere Informationen mit klick auf die Projekt-ID abfragen:

image

Zu jedem Projekt gibt es einen Kontakt, der zumeist vom Bowman Lab kommt. Somit stellen sich gleich die weitere Fragen:

  • Wie kann man eigene Projekte dort einstellen? Okay, nicht jeder hat das Wissen zum Proteine falten. Doch nachdem weltweit viele Wissenschaftler an der Erforschung des SARS-CoV-2-Virus arbeiten, kann ich mir gut vorstellen, dass auch Ihnen mit zusätzlicher Rechenkapazität geholfen werden kann.
  • Was passiert mit den Ergebnissen der Projekte? Es ist zwar schön, wenn weltweit Leute ihre Computer für Projekte im Rahmen dieser Forschung zur Verfügung stellen, doch sollten dann auch die Ergebnisse entsprechend öffentlich bereitgestellt werden – auch dafür bietet sich bspw. diese PSSummary-Seite an.

Kosten der Teilnahme

Die Teilnahme an dem Projekt ist kostenlos, da ihr ja eure Computer diesem Projekt zur Verfügung stellt. Jedoch bekommt ihr dafür kein Geld! Neben der für das Projekt zur Verfügung gestellten Rechenkapazität, benötigt ihr ein wenig Zeit für die Installation – eine Konfiguration ist nicht notwendig. Wenn ihr bei der Installation eingestellt habt, dass das Programm automatisch mit Windows starten soll, braucht ihr euch eigentlich nie wieder darum zu kümmern – es arbeitet selbständig im Hintergrund und holt sich seine Aufgabenpakete automatisch von einem der zentralen Server und sendet die Berechnungsergebnisse nach Abschluss der Verarbeitung wieder dahin zurück.

Somit fallen an Kosten für euch in der Hauptsache Stromkosten an, die natürlich abhängig vom Stromverbrauch eures Computers sind und dem Vertrag, den ihr mit euerm Stromanbieter abgeschlossen habt. Den Verbrauch eines Computers zu berechnen ist nicht einfach, da viele Komponenten in einem Computer Strom benötige. Eine ungefähren Richtwert erhaltet ihr, wenn ihr einen Calculator aus dem Internet verwendet wie z. B. unter https://www.roesner-it.com/PC-Energierechner.html.

Wer es ganz genau wissen möchte, kommt nicht umhin ein entsprechendes Messgerät zu kaufen und dieses zwischen Computer und Steckdose anzuschließen. Es gibt viele solcher Geräte am Markt so ab 10 €. Teilweise berechnen die dann auch noch die tatsächlichen Kosten, wenn ihr es schafft, die Konditionen des Vertrages mit dem Stromanbieter in diese kleine Kästchen zu übertragen. Ich habe mir nun auch so ein Teil bestellt und kann euch dann bei nächster Gelegenheit verraten, wie viel Strom mein Computer während des Foldings verbraucht.

Als kleiner Nebeneffekt dient ein Computer der fleißig an einer der Projekte arbeitet, auch als Heizung. Seitdem ich meinen Boliden den Auftrag erteilt habe, Proteine zu falten, ist mein Arbeitszimmer immer wohltemperiert.

Zusammenfassung

Ich hoffe, ich konnte mit meinem Beiträgen noch den einen oder anderen für dieses Projekt begeistern. Einige von euch werden sicherlich noch un- oder wenig genutzte Hardware rumstehen haben. Wer remote per VPN die Computer in seiner Firma verwendet, nutzt auch nur sehr wenig seiner lokalen Computerressourcen. Somit spricht nichts dagegen, den folding@home Client im Hintergrund auf euren lokalen Computer mitlaufen zu lassen. Doch bitte beachtet, dass ihr nur lokale Computer-Ressourcen bei euch zuhause verwenden solltet. Wer Firmenrechner mit dem entsprechenden Client ausstattet, benötigt vorher die Erlaubnis des Arbeitgebers – doch manchmal schadet es nicht zu fragen und vielleicht könnt ihr ja euren Geschäftsführer von der tollen Idee überzeugen.

Heise hat am Donnerstag (2.4.2020) einen sehr ausführlichen Beitrag zu diesem Projekt veröffentlicht, der sehr viele Hintergrundinformationen liefert. Wer also noch mehr dazu wissen möchte, kann ich diesen Beitrag sehr empfehlen.

Über

Die IT-Welt wird immer komplexer und zwischen den einzelnen Komponenten gibt es immer mehr Abhängigkeiten. Nachdem ich durch meine tägliche Arbeit immer wieder vor der Herausforderung stehe, komplexe Probleme zu lösen, möchte ich diese Seite dafür verwenden, Euch den einen oder anderen Tipp zu geben, wenn Ihr vor ähnlichen Aufgabenstellungen steht.

Veröffentlicht in Allgemein

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